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| Was ist Flamenco? | |
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Einfach ausgedrückt: Flamenco ist der Überbegriff für den traditionellen Gesang und Tanz in Andalusien. Er besteht traditionell aus cante (Gesang), toque (Gitarrenspiel) und baile (Tanz). Meist werden Text und Melodie innerhalb traditioneller Strukturen zu charakteristischen Rhythmen und Akkorden improvisiert. |
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Beim Tanz erklingen zapateados (Schritte mit Ferse, Spitze und Hacke mit laut stampfenden Geräuschen). Diese sind Hauptbestandteil des männlichen Tanzes und meist höchst kompliziert. Beim traditionellen Tanz der Frauen liegt der Hauptwert eher auf graziösen Körper- und Handbewegungen. Es werden z. T. auch Kastagnetten verwendet, allerdings verlieren sie immer mehr an Bedeutung. |
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Gesang und Tanz werden von jaleo begleitet (Zwischennrufe, rythmisches Fingerschnippen und Händeklatschen). Im modernen Flamenco kommen aber auch andere Rhythmusinstrumente, wie cajón, conga, tabla etc. hinzu. |
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Zu Anfang wurden Flamenco-Tänze zu Gesängen aufgeführt, erst im 19. Jahrhundert kam die Gitarrenmusik hinzu. Als Solo- und Begleitinstrument spielt sie eine wichtige Rolle. |
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| Geschichte des Flamenco |
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Herkunft und Entstehung des Flamenco sind stark umstritten. Es werden Einflüsse aus verschiedensten Bevölkerungsgruppen, wie den Vandalen, Phöniziern, Griechen, Arabern, Juden und Iberern angenommen. Gehen wir der Sache einmal geschichtlich auf den Grund… |
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Die Historie des Flamenco, den wir heute kennen, beginnt erst im 18. Jahrhundert, als sich nach einem langen Prozess der gegenseitigen Beeinflussung die ursprüngliche andalusische Folklore mit der Folklore der südspanischen Roma (Gitanos) gemischt und verbunden hat. Bei der Entwicklung des Flamenco sollte man aber die Einflüsse der arabischen, jüdischen, christlichen Kultur nicht vergessen. |
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Erste schriftliche Zeugnisse über die Musik der Gitanos stammen aus dem Jahre 1774. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Flamenco nur ein Bestandteil des Lebensstiles. Flamenco wurde zu Hause im Kreis der Familie und Freunden verwendet. Es gab damals keine professionelle Flamenco-Künstler, nur Amateure oder Halbprofis. Sie verdienten sich ihr Geld durch Handlangerarbeiten. Sie reisten herum und tanzten bei reichen Familien. Die Gastgeber wussten diese Kunst nicht immer zu schätzen, aber Demütigungen waren für die Künstler in Geldnot erträglich. |
| Das goldene Zeitalter |
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Ab 1860 gab es eine große Veränderung: In den "Cafés cantantes", die es schon seit 1842 gab, setzte sich der Flamenco durch und für die Künstler gab es mehr Existenzmöglichkeiten. Diese Epoche wird oft als „Goldenes Zeitalter“ bezeichnet: In dieser Zeit bekamen die Künstler feste Gagen, einen Arbeitsvertrag und sie waren sich auch eines ständigen Publikums sicher, das ihre Kunst zu würdigen wusste. Jeder Gitano hatte einen eigenen Stil, wobei sie sich untereinander maßen. Wo früher nur der Stock oder das Händeklatschen als Begleitung dienten, wurde hier das Gitarrenspiel und der Tanz weiterentwickelt. Die Gitanos ergriffen jetzt auch die andalusischen Volkslieder und veränderten diese. So entstand parallel zum Cante Gitano der Cante Andalúz, zu welchem insbesondere die Formen des Fandango und die Alegrías zählen. |
| Dekadenz und Renaissance |
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1860 passierte etwas, was dem Flamenco nicht gut tat: Die Payos (Andalusier) versuchten nun den Cante Gitano zu singen. Der berühmteste Interpret war Silverio Franconetti, der versuchte, den rauen und fremdartigen Cante Gitano für das Publikum zugänglicher zu machen. In den Cafés cantantes passte man sich nun dem Publikum an, dessen Wille eine leichtere musikalischere Kost war. Aber nicht jeder Künstler konnte mit Franconetti und Chacon Schritt halten und so kam es zu künstlerischen Entgleisungen. Antonio Chacon lockte das Publikum nun auf die Theaterbühnen: Das verfälschte Bild setzte sich auf den Theaterbühnen durch und das zum Teil bis heute. Man zeigte dem Publikum Folklore, die aus dem Südamerikanischen übernommen wurde oder sentimentale Lieder, die den Namen Cuble Flamenco erhielten. Trotz der negativen Einflüsse ist der Flamenco mit seinen strengen Formen dank der Cafés cantantes einem breiteren Publikum zugänglich gemacht worden. |
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1922 versuchte ein Kreis von Intellektuellen um Frederico Garcia Lorca und Manuel de Falla den mittlerweile als vulgär und niveaulos veralteten Flamenco als das zu rehabilitieren, was er in ihren Augen war: Als eine würdige Volkskunst mit langer Geschichte. Sie organisierten eine Veranstaltung, wo auch die Presse vertreten war. Die Organisatoren wollten den reinen Flamenco wieder unter die Leute bringen. Leider passierte ihnen aber ein Fehler: Da sie davon ausgegangen waren, das der Flamenco eine Domäne Andalusiens ist und man hier im Versteckten den uralten und reinen Flamenco wiederfinden würde, engagierten sie vor allem Amateure, die sich als überaus mittelmäßig herausstellten. |
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Trotz der großen Kommerzialisierung gab es noch Künstler, die mit Flamenco überleben konnten. Die wirklich guten Sänger wie z. B. Pastora Pavon, Manuel Torre und Pepe el della Matrona traten an Orten auf, wo wirklicher Cante Gitano-andalúz gewünscht wurde. Auf der Theaterbühne entwickelte sich der Opera-flamenca, die Sängern wie Pepe Marchena zur ungeheurer Popularität verhalfen. Nach der Etablierung der Franco-Diktatur nach dem Bürgerkrieg hatte die künstlerische Entwicklungsmöglichkeit ihren Tiefpunkt erreicht. Das Oberflächlich-Heitere des kommerziellen Flamenco wurde von der staatlichen Kulturpolitik gefördert und somit der Eindruck von den angeblich fröhlichen Armen erweckt. Zwar durfte der beliebte traurige Fandango noch gesungen werden, aber nur durch oberflächliche Klageworte. Sozialkritische Texte wurden hingegen verboten. |
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1950 wurde dem reinen Flamenco vom Ausland her wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt und damit eine merkwürdige Renaissance eingeleitet. Theatergruppen, die mit spanischem Ballett und Volkstänzen auf Auslandtournee gingen, schlossen oft Flamencotruppen mit guten Künstlern ein. Interessierte und Musikbegeisterte merkten bald, dass hinter Glitzer und Glamour ein echter Flamenco stecken musste mit viel Geschichte und Tiefe, dessen sich zu suchen lohnte. Und so entwickelten sich die Tablaos "La Zambra", eine Neuauflage der Cafés Cantantes und doch war auch hier der Kommerzialismus nicht zu vermeiden. |
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In den 70er Jahren haben sich zwei große Flamenco-Künstler um die Popularität des Flamenco von hoher Qualität gekümmert: Der Sänger El Camaron de la Isla (bürgerl. Name: José Monge Cruz) und der Gitarrist Paco de Lucía (bürgerl. Name: Francisco Sánchez Gómez). Sie haben Flamenco modernisiert und dem Publikum so sensibel näher gebracht, ohne dass damit seine Qualität litt. Von den Tänzern dieser Zeiten muss man Antonio Gades und Christina Hoyos erwähnen, die als Hauptdarsteller in den Flamenco-Filmen von Carlos Saura (Carmen, Amor Brujo, Boda de Sangre) getanzt haben. |
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In den letzten Jahren erfreut sich der Flamenco großer Popularität. Mehr und mehr Leute studieren Flamenco-Tanz, Gitarrenspiel, Gesang. |
| Flamenco privat und öffentlich |
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So wie die halbprivate Jamsession für Jazzmusiker ist die authentische Aufführungsform des Flamencos das "auditorio natural". Das kann ein kleiner Kreis von Eingeweihten im Hinterzimmer einer Flamenco-Kneipe sein, eine Roma-Hochzeit oder eine juerga. Diese privaten Feste der Musiker und Tänzer können sich über die ganze Nacht hinziehen, oft aber auch mehr als 24 Stunden. Im Idealfall folgen sie einer bestimmten Dramaturgie, die sich allmählich von ruhigen, heiteren Stücken über melancholische Klänge bis hin zur Raserei steigert. Ähnlich wie bei der Musik der türkischen Sufis oder bei haitianischen Voodoo-Kulten können die stundenlang wiederholten Rhythmen und Gesänge Künstler wie Zuschauer in Trance und Raserei versetzen. Dieser ekstatische Zustand emotionaler Aufruhr, "duende" genannt, ist ein wesentlicher Teil des Flamenco. Die Feier des Augenblicks, Spontaneität und überschäumende Emotionalität sind untrennbar mit ihm verbunden und werden dem unsteten Leben der Roma zugeschrieben. So kann es vorkommen, dass Künstler ihre Auftritte abbrechen oder gar nicht erst auftreten, weil sie nicht in der richtigen Stimmung sind. |
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Öffentliche Aufführungen haben einen anderen Charakter: Die anonyme Situation und räumliche Trennung vom Publikum verwandelt den Flamenco hier in ein im Voraus berechnetes Bühnenereignis, bei dem die Wechselwirkung mit dem Publikum eine eher untergeordnete Rolle spielt. Stehen im privaten Kreis die Wahrhaftigkeit und Intensität der Emotionen im Vordergrund und weniger klangliche Schönheit, kommen hier Virtuosität und Bühnenpräsenz zu ihrem Recht. Eine wichtige Funktion übernimmt auf der Bühne der Palmero. Anstelle des Publikums tritt er in das Wechselspiel mit den Künstlern, die er mit Zurufen und Händeklatschen anfeuert. |
| Wieso der Name 'Flamenco'? |
| Die Herkunft des Begriffs ist wie die Entstehung des Flamenco stark umstritten. Es gibt zahlreiche Theorien, wie der Flamenco zu seinem Namen kam. Hier einige davon: |
| Flamenco ist das spanische Wort für 'Flame' |
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Entstanden ist der Flamenco aus der Begegnung andalusischer Volksmusik mit der Musizierweise der Roma. In Spanien ließen sich die ursprünglich aus Indien stammenden Roma erstmals um 1425 nieder. Sie sahen sich dort von Anfang an und über Jahrhunderte hinweg schweren Repressalien ausgesetzt. Mit immer neuen Gesetzen und Erlassen wollte man sie in die Sesshaftigkeit zwingen und vertrieb sie aus ihren traditionellen Berufen wie Pferdehandel und Schmiedehandwerk. Der Aufenthalt und das Musizieren und Singen auf öffentlichen Plätzen wurde ihnen immer wieder untersagt. |
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Erst 1783 unterzeichnete Karl III. das letzte "Zigeunergesetz" der spanischen Geschichte: Mit seinen 44 Artikeln gestand er den Gitanos zwar Menschenwürde und eine gewisse Gleichberechtigung zu, verbot ihnen aber im gleichen Atemzug erneut viele ihrer traditionellen Berufe, wie den Pferdehandel. Einige der Gitano-Familien nahm Karl III. jedoch unter besonderen Schutz, weil ihre Söhne und Väter in der flandrischen Armee gedient hatten. So könnte der Flamenco zu seinem Namen gekommen sein, denn das spanische Wort für Flame ist Flamenco. Von diesen einzelnen privilegierten Familien ging der Name im Laufe der Zeit auf die gesamte Volksgruppe über. |
| oder… |
| 'Umherziehener Bauer' |
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Die am weitesten verbreitete Theorie stammt Blas Infante. In seinem Buch „òrigenes de lo flamenco“ beschreibt er die Abstammung des Wortes „flamenco“ von den arabischen Termini „Felah-Mengus“ („umherziehender Bauer“). |
| oder... |
| 'Messer' oder 'Vogel' |
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Es gab sogar eine Theorie, dass „flamenco“ eine Bezeichnung für ein Messer oder Taschenmesser war. In einem Schwank von González del Castillo aus dem 18. Jahrhundert lesen wir „Der Soldat zog für meinen Mann einen flamenco.“. Diese Hypothese und eine weitere, die besagt, der Name käme von dem gleichnamigen Vogel, ist jedoch nicht weiter verfolgt worden. Rodríguez Marín war der Meinung, dass die hoch gewachsenen Sänger mit ihren kurzen Jäckchen und schmalen Taillen diesen Vögeln ähnlich sähen. |
| >> Für weitere detaillierte Infos zum Thema wenden Sie sich gerne an unsere Partnerseite www.flamenco-tanz.de.tf |